SPD fordert gezielte Betreuungshilfe für Kinder in den Kitas

Seit dem Lockdown kämpfen auch in Oberursel Familien mit Kindern an drei Fronten. Im Home-Office müssen sie das finanzielle Überleben der Familie sichern, die Kinder betreuen und den ganzen Laden am Laufen halten. Die Nerven liegen bei vielen blank, denn keiner kann ihnen sagen, wie lange dieser untragbare Zustand noch andauern wird. Während bereits viele Maßnahmen gelockert wurden, ob beim Sport, Einkaufen oder bei Veranstaltungen bis zu 100 Personen, gibt es für sie wenig Licht am Ende des Tunnels. Eltern beklagen sich zu Recht darüber. Sie fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Kinder brauchen Bewegung, ihre Freunde und müssen sich spielerisch ihre Welt erobern können. So hat eine Mutter, stellvertretend für viele Familien in Oberursel, in einem Leserbrief an die Oberurseler Woche ihrem Herzen Luft gemacht.

In Hamburg können zum Beispiel die Vorschulkinder ab dem 18. Mai wieder in ihre Kita gehen. Davon können Eltern, deren Kinder in eine Oberurseler Kita gehen, nur träumen. Neben der Notfallbetreuung gibt es ab dem 2. Juni in Oberursel nur ein sehr eingeschränktes Angebot für die Familien. Ziel ist dabei, für alle Kinder den Besuch einer Kinderbetreuungseinrichtung noch vor den Sommerferien zu ermöglichen, wie Christof Fink in einer Infopost an die Eltern von Kindern aus städtischen Einrichtungen mitteilte. Aber es wird nur eine Betreuung für zwei Tage in der Woche geben. Das bedeutet, dass Eltern weiter den überwiegenden Teil der Woche den gleichen Belastungen ausgesetzt sind, wie in den Monaten April und Mai. Der grüne Stadtrat bezieht sich dabei auf das Kita-Konzept des Landes Hessen, aus der Feder seines Parteikollegen Kai Klose. Leider werden in dieser Vorlage wichtige Fragen, die die Familien betreffen, nicht aufgegriffen, sondern es wird den Kommunen überlassen, eigene Regelungen zu finden. Die Vorsitzende der SPD Oberursel, Antje Runge, vermisst, dass nicht das Wohl der Kinder im Mittelpunkt steht: „Alle Maßnahmen sollten sich an einer Unterstützung von Familien ausrichten. Die Oberurseler Eltern sollten von der Stadt durch die Krise begleitet und eingebunden werden. Leider gibt es wenig Konkretes und vor allem keine Planungssicherheit.“

„In Oberursel ist das Konzept mehr als dürftig ausgefallen. Viele Fragen, die den Eltern auf den Nägeln brennen, wurden in dem Info-Schreiben gar nicht angesprochen“, stellt Stadtverordnete Brigitte Geißler-Burschil fest. Wer entscheidet auf Grund welcher Kriterien darüber, welche Wochentage angeboten werden? Hierbei sollen familiäre Zusammenhänge berücksichtigt werden: Der Bedarf der Familien wurde allerdings nicht abgefragt. Wie sieht die Betreuung in den Sommerferien aus? Viele Eltern haben schon in der ersten Jahreshälfte den größten Teil ihres Jahresurlaubs aufgebraucht. Was passiert mit den Vorschulkindern, die regelmäßig in die Einrichtung kommen müssten, um sie auf die Schule vorzubereiten? Und was ist für die U3-Kinder geplant? Schließlich gibt es ja Verträge mit den üblichen Eingewöhnungszeiten. Wann können die Allerkleinsten in die Kita kommen?
Nichts davon in dem langen Schreiben. Und die Eltern der Kinder, die schon jetzt eine Notbetreuung in Anspruch nehmen, weil sie in systemrelevanten Berufen arbeiten, erfahren gar nicht, in welcher Form es für ihre Kinder weitergeht. Da ist es schon sehr erfreulich, dass ab Montag, dem 25.5.20 nachdem die Landesregierung weitere Lockerungen der Corona-Maßnahmen beschlossen hat, wenigstens die Tagesmütter in Oberursel ihre 75 Kleinkinder bereuen können.

Die SPD-Fraktion Oberursel fordert in diesen schwierigen Zeiten vom zuständigen Dezernenten nicht nur die nüchterne Umsetzung der Landesvorgaben, die sich in einer bürokratischen Verwaltung des Notstandes erschöpfen. Um Familien zu stärken und die Eltern von ihrer Dreifachbelastung zu befreien, müssen die Kinder so rasch wie möglich aus der Isolation geholt werden. Sie müssen wieder in ihren Alltag in die Kita zurückkehren können. Und das ist mit gutem Willen, frischem Wind und neuen Ideen durchaus machbar.

Dabei ist Kreativität gefragt. Die städtischen Einrichtungen in Oberursel haben großzügige und gut ausgestattete Außenbereiche und auch Sporträume. Die müssen bei der Planung der Betreuung berücksichtigt werden. Vorstellbar sind Streifzüge in Wald und Feld mit Picknick, kleine Spaziergänge und ähnliches. Hinaus ins Grüne, das ist nicht nur beim städtischen Waldkindergarten möglich, und würde die Anzahl der zu betreuende Kinder erheblich vergrößern können.

„Bei der nächsten Sitzung des SBKA-Ausschusses, am 16. Juni, werden wir diese und weitere Fragen auf den Tisch legen“, so Fraktionsvorsitzender Wolfgang Burchard.